„Frauen im Widerstand“– Ausstellungseröffnung in Kronach
Ein Abend mit starken Stimmen, historischem Gedenken und aktuellem Bezug
Am 3. November wurde die Ausstellung „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ in der Synagoge Kronach eröffnet. Rund 70 Besucherinnen und Besucher waren gekommen, darunter Kronachs Bürgermeisterin sowie der stellvertretende Landrat des Landkreises Kronach. Die Ausstellung erzählt die Lebensgeschichten von achtzehn Frauen, die sich – oft unter Lebensgefahr – gegen Verfolgung, Unrecht und Diktatur stellten.
Eröffnet wurde der Abend von Dekanin Dr. Ulrike Schorn, die die Gäste begrüßte. Anschließend führte Bildungsreferentin Doreen Hopf-Traut in das Thema ein und ordnete die Biografien der gezeigten Frauen in den kirchlichen und gesellschaftlichen Kontext ein.
Sie skizzierte die besonderen Herausforderungen, vor denen Frauen im Nationalsozialismus standen: In einem System, das ihre Rolle massiv einschränkte und sie vor allem auf Muttersein und Häuslichkeit reduzierte, war eigenständiges politisches Handeln nicht vorgesehen – Widerstand erst recht nicht. Doreen Hopf-Traut schlug an anschließend den thematischen Bogen zur Gegenwart: Was bedeutet Widerstand heute? Unter anderem kann es bedeuten, sich gegen Rassismus, Antisemitismus oder Frauenfeindlichkeit zu stellen, Menschen zu unterstützen, die ausgegrenzt werden, oder sich für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen. Für die Kirchen habe das Thema besondere Aktualität: Es erinnere daran, dass Glaube nicht nur Trost spende, sondern auch Verantwortung einschließe – und dass Christsein bedeute, dem eigenen Gewissen zu folgen, gerade auch wenn es unbequem ist.
Unbeugsam – ein Blick in die Biografien
Im Anschluss stellte Doreen Hopf-Traut die Nürnberger Historikerin Nadja Bennewitz vor, deren Arbeitsschwerpunkte in der historischen Frauen- und Geschlechterforschung sowie in der Rolle von Frauen im Nationalsozialismus liegen. In ihrem Eröffnungsvortrag „Unbeugsam“ beleuchtete Bennewitz eindrucksvoll die Formen weiblichen Widerstands – von mutigen Einzelentscheidungen im Alltag bis hin zu politisch organisierten Handlungen im Untergrund. Mit großer Erfahrung und spürbarer Nähe zu den Lebensgeschichten vermittelte sie einfühlsam, was diese Frauen bewegte, welche Risiken sie eingingen und weshalb ihre Stimmen für unser Verständnis von Verantwortung und Zivilcourage so wichtig sind.
Ein stimmungsvoller Rahmen
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Liedermacher Tom Sauer, dessen Gitarrenmusik dem Abend eine ruhige und eindringliche Atmosphäre verlieh. Zum Abschluss erklärte Dekanin Dr. Ulrike Schorn die Ausstellung offiziell für eröffnet und lud die Anwesenden ein, die Exponate zu besichtigen. Zugleich verwies sie auf das begleitende Rahmenprogramm, das in den kommenden Wochen weitere Möglichkeiten zum Austausch bietet. Die Ausstellung ist bis zum Ende des Monats in der Synagoge Kronach zu sehen.






Gedenken an die Reichspogromnacht 1938
Nur wenige Tage später, am 9. November, wurde die Synagoge Kronach erneut zum Ort des Erinnerns: Mehr als 60 Menschen kamen zur Gedenkveranstaltung an die Reichspogromnacht von 1938 zusammen.
Gisela Zech, die 1. Vorsitzende des Aktionskreises Kronacher Synagoge, begrüßte die Anwesenden und führte in die historischen Hintergründe ein. In ihrem Grußwort erinnerte Bürgermeisterin Angela Hofmann an die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Kronach und betonte die Verantwortung, die aus dem Wissen um Ausgrenzung, Gewalt und Mitläufertum erwächst.
Einen besonders eindrucksvollen Beitrag leisteten Schülerinnen aus Kronach: Sie liehen vier der in der Ausstellung porträtierten Frauen ihre Stimmen und trugen eindringliche Texte von ihnen und über sie vor. Die musikalische Gestaltung übernahm Susanne Trapper mit Gitarrenmusik und hebräischem Gesang.



Rahmenprogramm in Kronach
Rund um die Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm, das dazu einlädt, das Thema Widerstand aus unterschiedlichen Perspektiven zu vertiefen. Den Flyer dazu können Sie sich hier herunterladen:
Ausstellungskonzept
Die Ausstellung von ausstellung leihen verbindet historische Dokumente, Fotografien, Zitate und Kurzbiografien mit digitalen Zusatzinhalten, die über QR-Codes abrufbar sind. Sie richtet sich an Interessierte aller Altersgruppen und eignet sich besonders auch für Schulklassen.
Kooperation und Förderung
Die Ausstellung wird in Kooperation mit Evangelisch in Bamberg, der Erlöserkirchengemeinde Bamberg, dem Aktionskreis Kronacher Synagoge e. V. und dem Evang.-Luth. Dekanatsbezirk Kronach-Ludwigsstadt realisiert.
Die Ausstellung wird von der Adalbert Raps Stiftung gefördert.




